Waldentwicklungskonzept

Am 25. August 2014 stellte die IGA/Grün GmbH die Pläne zur Waldentwicklung am Kienberg erstmals der Öffentlichkeit vor.

Es präsentierten sich neben der IGA GmbH: Angele Schonert (NABU), Stefan Braatz (Planungsbüro Förster) und Herbert Lohner (BUND). Ungefähr 150 Gäste waren im Publikum vertreten.

Protokoll der Veranstaltung

Bestandskarte der Gehölze auf dem Kienberg

Vergleich Kienberg heute & morgen

Protokoll:

Angele Schonert (NABU) gibt rückblickend eine Zusammenfassung zur Enstehung des Kienberges ab 1973:

  • Erhöhung der eiszeitlichen Struktur um 46 m,
  • Begrünung hpsl. mit schnellwachsenden Neophyten,
  • Projekt „Marzahner Wald“ zur naturnahen Entwicklung als Erholungsraum,
  • Pflegedefizite nach Ende des Projektes.

Das Konzept „Gelenkte Sukzession“ wird als naturschutzfachlicher Aspekt für die IGA erläutert, was Strukturreichtum und damit Artenvielfalt bewirken soll. Viele Wünsche von Seiten des NABU sind nicht in Erfüllung gegangen z.B. Verzicht auf: Seilbahn, Sommerrodelbahn, Tälchenbrücke etc.. „Für die IGA müssen Attraktionen geschaffen werden“ – der NABU wünscht sich aber andere Attraktionen.

Stefan Braatz (Planungsbüro Förster) präsentiert das von der IGA GmbH erstellte Pflege- und Entwicklungskonzept für den Kienberg.

Wo stehen wir heute?

  • Begrünung mit schnellwüchsigen Gehölzen
  • Pflege durch öffentliche Hand
  • Einsatz Freiwilliger zur Pflege und Entwicklung
  • seit 2014 Nutzungsvertrag mit Grün Berlin GmbH und Bezirk

Wie sieht es heute aus?

Es werden Fotos gezeigt, die hauptsächlich „zugewachsene“ Bereiche des Kienberges, windwürfige Pappeln und invasive Götterbäume zeigen. Stichpunktartig werden Begriffe wie Müll, Feuerstellen und Hunde genannt (Anm. Redakteur: Was haben diese mit einem Waldentwicklungskonzept zu tun?). Die Folgen: Rückgang der Artenvielfalt und Einschränkung des Landschaftserleben.

Herr Braatz zitiert das Faunistische Gutachten (Grün Berlin GmbH, 2014), welchem nach die Brutvogelarten auf dem Kienberg seit 1995 um 50% abgenommen haben. (Anm. Redakteur: laut Faunistischem Gutachten der Grün Berlin (2014) „sah der Kienberg vor zwei Jahrzehnten noch anders aus. 1990 brüteten 22 Arten, 2013 nur noch 18 Arten. Das Artenspektrum wandelte sich völlig. […] Bereits 1995 wurden faunistische Erhebungen für ein Pflege- und Entwicklungskonzept Kienberg durchgeführt. Dabei wurden 24 Brutvogelarten in 141 Revieren festgestellt (Görrissen, 1995).“ Demnach haben die Brutvogelarten um 25% abgenommen, nicht um 50%!)

Eine Vorkonzeption wurde durch das Büro Planland erstellt. Aktuell arbeitet eine AG Kienberg mit folgenden Beteiligten: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin, BLN, BUND, NABU, Bezirksamt, TU Dresden und TU Berlin.

Erkenntnisse

Das Leitbild lautet Strukturreichtum mit den Zielen: Erhalt und Entwicklung der Vielfalt der Arten, der Lebensräume und der Landschaftsräume für die Erholungsnutzung.

Die Maßnahmen werden nur genannt: Waldumbau, Waldrandgestaltung, Pflege vorhandener Offenflächen, Schaffung von Offenflächen und gelenkte Sukzession. (Anm. Redakteur: Bis auf Letzteres, durch Angele Schonert, wird bei keiner der Maßnahmen auf Details eingegangen)

Ende Oktober/Anfang November beginnen die Baumfällungen, Pflege- und Erziehungsschnitte entlang der Kienbergterrassen (Südhangfuß) mit Sperrung/Zugangsbeschränkung des Areals (einschließlich des Fußgängerweges) bis vorraussichtlich nach der IGA!

Herbert Lohner (BUND) startet mit den allgemeinen Grundsätzen des Bundesnaturschutzgesetztes (BNatSchG §1). Er befürwortet die Beschlüsse der BVV-Fraktion von 2012, weist auf das Grundsatzpapier des BUND zu Gartenschauen hin und erwähnt regelmäßige Arbeitsgespräche.

Als postiv erachtet er:

  • die Tier- und Pflanzenkartierung,
  • die Strategie für biologische Vilefalt,
  • den Entwicklungs- und Pflegeplan und
  • die ökologische Baubegleitung.

Er wünscht sich:

  • ein Umweltmanagmentsystem für die Nach-IGA-Nutzung,
  • ein langfrsitiges Projekt und
  • Naturschutz und Erholung als Grundziele.

Er sieht Zielkonflikte/Herausforderungen:

  • Kommunikation und Transparenz muss erhöht werden,
  • Umweltbildung und
  • Kinder?

 

Matthias Kolle (IGA) Kommentar

Bei der Umsetzung des Waldentwicklungskonzeptes konzentriert man sich zunächst auf die gelben Flächen (Anm. Redakteur: dabei geht es nur um Baumrodungsflächen!; siehe Karte) bis Mittel und Zeit eine Weiterführung gewährleisten.

Herbert Lohner (BUND) Kommentar

Auf die Frage, wie mit etwaiger Bodenkontamination auf dem Kienberg umgegangen wird, antwortet er, dass wohl nur bei Spielplätzen besonderes Augenmerk darauf gelegt werden müsse.

 

Vergleich Kienberg heute & morgen

Vergleich

Vergleich: Kienberg in seinem aktuellen Gehölz- und Offenflächenbestand und wie er sich laut der Pläne der IGA/Grün Berlin GmbH 2017 darstellen soll. Die Erhöhung der Artenvielfalt auf dem Kienberg ist nur ein Feigenblatt für die Umgestaltung nach landschaftsarchitektonischen und kommerziellen Aspekten. Hier geht es nicht um eine ökologische Entwicklung im Sinne des Naturschutzes. Die beteiligten Umweltschutzverbände müssen konsequenter naturschutzfachliche Rahmenlinien einfordern!

Waldentwicklung

Waldentwicklungskonzept Kienberg. Für eine große Bildansicht bitte auf das Bild klicken. Farbkodierung siehe auch Legende im Bild: Orange: bereits vorhandene Offenfläche. Gelb: Schaffung neuer Offenflächen. Dunkelgrün: Waldumbau. Mittelgrün: Waldrandgestaltung. Graugrün: gelenkte Sukzession. © IGA GmbH/Grün Berlin GmbH

8 comments

  • Günther

    Ich war gestern auch zu der Veranstaltung u. war bzw. bin entsetzt, als ich den Zaunverlauf gesehen habe.
    Uns Anwohnern bleibt ja gar nichts mehr an Natur zur Erholung zum Wandern usw. übrig.
    Es war nur immer von der Schaffung von Frei- u. Offenflächen auf dem Kienberg die Rede. Nirgends wurde etwas gesagt, wie, wann u. was gepflanzt werden soll. Wenn ich mir den Plan anschaue, wird mir schlecht. Der Kienberg hat dann eine nackte Kuppe mit einem unförmigen Turm o. was immer das sein soll. Einfach grausam.
    Dauernd fiel das Wort „Geld“ u. wie sehr damit alles Weitere steht u. fällt. Die Message ist doch sonnenklar: Jetzt kriegt die Grün GmbH (IGA-GmbH) noch Fördergelder sowie Zuschüsse vom Senat. Alles, was sie eventuell als Plus erwirtschaftet, wandert in die Stiftung Grün (alles die selben Leute). Dann hat die Grün GmbH kein Geld mehr, um angefangene „Waldumbauprojekte“ weiterzuführen. Die Zäune u. Eintrittsgelder bleiben somit erhalten. Die Natur jedoch ist pfutsch!!!!
    Meine Message: KEINE IGA AUF DEM KIENBERG, IM WUHLETAL u. DEM JELENA-SANTIC-FRIEDENSPARK!

    • Zitat: Dann hat die Grün GmbH kein Geld mehr, um angefangene “Waldumbauprojekte” weiterzuführen. Die Zäune u. Eintrittsgelder bleiben somit erhalten. Die Natur jedoch ist pfutsch!!!!
      Meine Message: KEINE IGA AUF DEM KIENBERG, IM WUHLETAL u. DEM JELENA-SANTIC-FRIEDENSPARK!

      Genau so wird es kommen, nur glauben möchte es keiner.
      Schön reden, Bunte Bildchen = Blenden lassen

  • Werner

    Der Karte nach zu urteilen wird das Hauptaugenmerk auf die „gelenkte Sukzession“ gelegt. Was auf dieser Karte fehlt, sind die Bauwerke, die errichtet werden sollen. Sind die graugrünen Flächen möglicherweise zur Bebauung freigegeben?
    Eine Seilbahnstation samt seiner Nebeneinrichtungen sind kein Pappenstiel. Es wurde kein Wort über die Baumfällungen für die Bauarbeiten gesagt. Diese Veranstaltung hat mehr Fragen aufgeworfen als Antworten geliefert.
    Positiv überrascht war ich von Herrn Lohner und Frau Schonert. Das erste Mal wurde öffentlich Kritik an den IGA-Plänen geübt. Das war aus Sicht der Naturschützer längst überfällig.

  • Matthias

    Wenn die das Gelände wirklich großflächig einzäunen, hat die IGA uns Anwohner komplett verloren. Eine Gartenschau, die uns Anwohner vertreibt und aussperrt hat keine Chance auf Erfolg. Ich kann nur hoffen, dass die sich das anders überlegen. Auf die Krawalle vor meinem Schlafzimmerfenster will ich lieber verzichten. Hier bricht ein Krieg aus. DANK AN DIE POLITIKER, DIE SICH SO UNGLAUBLICH STARK FÜR DIE BEVÖLKERUNG EINSETZEN!!! IHR SCHAFFT EUCH LANGSAM ABER SICHER SELBER AB!!!

  • Kommentar zum Waldentwicklungskonzept

    Die 18 auf dem Kienberg brütenden Vogelarten sind Amsel, Blaumeise, Buchfink, Buntspecht, Eichelhäher, Gartengrasmücke, Grünfink, Kohlmeise, Mäusebussard, Mönchsgrasmücke, Nachtigall, der äußerst seltene Pirol, Ringeltaube, Rotkehlchen, Singdrossel, Sumpfrohrsänger, Zaunkönig und Zilpzalp. Sie brüten in 129 Revieren, d.h. 129 Pärchen haben Junge großgezogen.
    Wo finden diese im Jahre 2013 gezählten 129 Brutpaare zukünftig ihre Reviere, wenn der Wald radikal abgeholzt wird? Wieviel Lebensraum bleibt nach der mit Brachialgewalt von heute auf morgen gefällten 800 bis 1000 Bäume den am Boden in dichtem Unterholz brütende Arten wie Zaunkönig, Rotkehlchen und Gartengrasmücke oder den in dichtem Gebüsch wie Amseln und Finken oder dem hoch in den Baumkronen wie Pirol und Mäusebussard oder den in Höhlen brütenden Vögeln wie der Buntspecht? … Das wird uns durch die IGA 2017 Berlin GmbH als „behutsamer” Waldumbau und „Waldentwicklungskonzept” verkauft.

    Die Integrierung des Kienbergs in die Gärten der Welt lässt ahnen, dass sich die Artenzahl denen der Gärten der Welt angleicht: Dort brütet nur die Hälfte der Vogelarten in 62 Revieren U.a. fehlen die „Kienberg-Arten” Buntspecht, Gartengrasmücke, Mäusebussard, Pirol, Rotkehlchen und Zaunkönig. Das nennt die IGA 2017 Berlin GmbH dann Aufwertung (Ertüchtigung) des Gebietes.

    Bevor die Grün Berlin GmbH mit ihrem Geschäftsführer Christoph Schmidt, der in Personalunion auch die IGA Berlin 2017 GmbH führt, auf den Kienberg zugegriffen hat, verfolgte der Senat, der die Strategie zum Erhalt der Biologischen Vielfalt in einer Broschüre propagiert, einen wirklich behutsamen Waldumbau: Im LAUFE DER JAHRE sollen die einheimischen Gehölze wie Eichen und Birken DURCH FREISCHNEIDEN gefördert werden. So wie man es in der UN-Dekade der Biologischen Vielfalt 2011 – 2020 erwarten kann, die die Vereinten Nationen unter dem Eindruck des weltweit dramatisch zurückgehenden Biodiversität ausgerufen haben.

    Angelika Paul

  • Edgar

    Die sachlichen Argumente gegen eine Nutzung und „Bewirtschaftung“ der Flächen des Kienbergs und des Wuhlethals anlässlich der IGA erscheinen einleuchtend.
    Nur eben leider nicht Geschäftsführern von Entwicklungs GmbH’s. Die leiden in der Regel unter besonders starker Form von Profilierungsneurosen und der Sucht öffentliche Gelder zu verschwenden.
    Und wenn wie oben angemerkt, nach der IGA keine Gelder mehr zur Verfügung stehen wird es ähnlich aussehen wie in „Helle Mitte“. Nämlich rudimentär entwickelte Strukturen die irgendwie um ihr Überleben kämpfen.
    Schön wäre es, wenn man wenigstens des letzte bischen Natur retten könnte das hier im Wuhletal so einzig artig gedeiht. Und man den städtebaulichen Gau für kurze Zeit vergessen kann.

    Leider kann man die IGA in Marzahn/Hellersdorf nicht mehr verhindern, aber vielleicht noch das Schlimmste korrigieren.

    Man kann förmlich hören: „Oh, diese ewig gestrigen Marzahner. Nie wollen sie etwas Neues.“
    Falsch.
    Nur das Neue kann nicht im Zerstören von über viele Jahre gewachsener Natur bestehen.

  • Marco

    Eigentlich müsste man sich freuen, wenn vor der eigenen Haustür so viel gemacht wird. Da entsteht was tolles, aber nein, es wird natürlich mal wieder gemeckert. Wenn man die unberührte Natur will, verstehe ich nicht, warum man unbedingt in der Stadt wohnen will und nicht einfach irgendwo in den brandenburgischen Wald zieht …

    • bikw

      Lieber Marco,
      du sagst es: „eigentlich müsste man sich freuen“! So lange aber eine Diskrepanz zwischen dem, was versprochen worden ist und dem, was umgesetzt wird, herrscht, besteht kein Grund, sich zu freuen. Es wäre unvorstellbar, wenn der Große Tiergarten oder ähnliche städtische Grünflächen komplett für drei Jahre der Öffentlichkeit entzogen würden. Leider sind die Themen um Stadt, Gesellschaft und Natur weit komplizierter, als das man sie mit einem Umzug „in den brandenburgischen Wald“ lösen könnte. Viele müssen auch verstehen lernen, dass das, was gemeinhin abwertend als „meckern“ bezeichnet wird, nichts anderes ist, als das Wahrnehmen bürgerlicher Rechte!

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