Grundwasserqualität am Kienberg 2002

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Grundwassermesswerte aus dem Jahre 2002

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt; Prüflabor: hpl – Umwelt Consulting GmbH; vollständige Datensätze einsehbar beim Umweltamt Marzahn-Hellersdorf

 

Zur Darstellung: Die blauen Zahlen auf der Karte stellen die Grundwassermessstellen dar. Die Angaben in den gelben Kästchen sind die Messergebnisse der jeweiligen Entnahmestelle.

Bis 2002 fanden regelmäßige Kontrollen der Grundwasserqualität an der Alt-Deponie statt. Seit 2002 ist das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf für die Nachsorge der Altablagerung zuständig. Nach unserer Kenntnis wurden trotz zugewiesener Haushaltsmittel keine weiteren Kontrollen durchgeführt.

Zu den nachgewiesenen Schadstoffen haben wir nachfolgend einige wissenswerte Informationen zusammen getragen. Diese sind weder umfassend noch vollständig; sie sollen lediglich die Ernsthaftigkeit der Situation untermauern:

 

Leitfähigkeit

Ein Maß für die Gesamtheit der in einer Probe gelösten Ionen und somit ein Hinweis auf den Mineralisierungsgrad des Wassers. Deutlich erhöhte Leitfähigkeiten ergeben bereits einen Hinweis auf eine Beeinflussung des Grundwassers durch kontaminierte Gewässer.

 

Sulfat

Schwefelverbindung. Geringe Gehalte (bis ca. 70 mg/l) sind oft geogenen Ursprungs. Höhere Gehalte deuten auf anthropogene Beeinflussung hin, vor allem, wenn in den Gewässern auch erhöhte Chlorid-, Nitrat- und Phosphatgehalte beobachtet werden. Sulfat ist außerdem als „Leit-Ion“ für Auslaugungen aus Bauschutt-Ablagerungen bekannt. Aus Putz und Gips wird Sulfat herausgelöst und in das Grundwasser eingebracht. Weitere Einträge können aus sulfathaltigen Düngern und Spritzmitteln erfolgen.

Beim Menschen kann die Zufuhr von Sulfat zu schweren Darmstörungen führen.

 

Chlorid

Chloride zeigen vor allem Salzbelastungen an. Geringe Vorkommen können geogenen Ursprungs sein. Konzentrationen ab 15 mg/l deuten jedoch auf anthropogene Beeinflussung hin. Die Ursachen sind überwiegend in landwirtschaftlicher Düngung und winterlichen Salzstreuungen zu suchen.

 

AOX

Adsorbierbare organische Halogenverbindungen.

Um das weite Feld der insgesamt potentiell als gefährlich angesehenen organischen Halogenverbindungen abzudecken, werden diese über den Summenparameter AOX erfasst und undifferenziert hinsichtlich ihrer individuellen Gefährlichkeit mit einem Grenzwert beschränkt.

Mit wenigen Ausnahmen kommen die Halogenverbindungen in der Natur nicht vor. Sie stammen in der Regel aus industriellen Prozessen. Viele dieser Stoffe haben schädliche Eigenschaften, wie z.B.:

  • Langlebigkeit in der Umwelt, da sie nur sehr langsam biologisch oder chemisch abgebaut werden,
  • Giftigkeit, wozu nicht nur die unmittelbare Wirkung zählt, sondern auch krebserzeugende, fruchtschädigende oder erbgutverändernde Wirkung,
  • Anreicherungsfähigkeit im Körper (Fettgewebe) bzw. in der Nahrungskette (Muttermilch)

Zum Abtrennen von AOX aus den Abwässern steht nach unserer Kenntnis derzeit kein akzeptables Verfahren zur Verfügung.

 

Bor

„Bor ist im Grundwasser ein Problemstoff, weil es als Bestandteil der Waschmittel (Perborate) in großen Mengen über das Abwasser in die Umwelt freigesetzt wird. Wegen seiner geringen geogenen Konzentration (außer in tiefensalinar versalzenen Wassern) ist es ein geeigneter Indikator für anthropogene Beeinflussungen des Grundwassers. Nach Schätzungen stammen etwa zwei Drittel des in der Umwelt vorhandenen Bors aus anthropogenen Quellen (LFU 2001). In Reinigungsmitteln wird es für Desinfektion und Bleichung verwendet. Außerdem ist es Bestandteil von Düngemitteln. Auf Grund der vielseitigen Verwendung ist Bor häufig in Abwassern zu finden. Bor gelangt über undichte Abwasser- und Abfallanlagen und über die Infiltration von Oberflachenwasser in das Grundwasser. So treten erhöhte Borwerte oft in Gebieten mit hoher Besiedlungs- und Industrialisierungsdichte auf. Beeinflussungen zeigen sich ab etwa 80 μg/l (SCHLEYER & KERNDORFF 1992). Die Untersuchungen von FUGRO & HYDOR (2002) deuten auf Korrelationen zu den Sulfatgehalten hin; räumlich wurde festgestellt, dass die dicht bebauten Innenstadtareale erkennbar höhere Borgehalte zeigen. Abb. 5.1-3 zeigt die berechnete flächenhafte Verteilung.“

(Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/wasser/hydrogeo/de/broschuere/5.1-risiko-grundwasser.pdf)