Nicht-einheimische Pflanzen (Neophyten)

Oft ist im Zusammenhang mit den anstehenden Veränderungen am Kienberg im Zuge der IGA 2017 von „Artenarmut“ und Neophyten die Rede.

Was hat es damit auf sich?
Stimmt das?
Und was sind überhaupt Neophyten?

 

Neophyten

Grob kann man diese Bezeichnugn als „Neupflanze“ übersetzten, was nichts anderes bedeutet, als dass die benannte Art ursprünglich nicht in unseren Gefilden beheimatet war, sondern in anderen Regionen oder teilweise auf anderen Kontinenten. Grund für ihr Vorkommen bei uns ist fast immer der Mensch, der bestimmte Arten aus unterschiedlichen Gründen bevorzugt ansiedelt. Oft handelt es sich um schöne Gartenpflanzen, oder sie haben einen wirtschaftlichen Nutzen, oder aber sie begrünen schnell brach liegende Flächen. Nicht selten sagt diesen Pflanzen unser Klima zu, da man in ihrer ursprünglich Heimat ein ähnliches vorfindet. Wenn die Bedingungen stimmen, können sie sich eigenständig vermehren, verbreiten und schließlich sogar Bestandteil unseres Ökosystems werden. Bei solchen Arten spricht man von Neophyten.

Das Gleiche gilt übrigens auch für Tiere, sogenannte Neozoen. In Deutschland sind das z.B. Waschbär, Marderhund, Mufflonschaf, Mink, Bisam und viele andere.

Müssen Neophyten weg?

Nun ist eine Art, nur weil sie ein Neophyt ist, nicht automatisch „schlecht“ oder weniger ökologisch wertvoll als einheimische Spezies. Dies wäre eine sehr subjektive Einschätzung. Auch Neophyten dienen einheimischen Tieren als Nahrungs- und Futterquelle und als Behausung. Sie sind oft vollwertiger Bestandteil des Ökosystems.

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Die Riesen-Goldrute (Solidago gigantea) wurde Mitte des 19. Jhd. als Zierpflanze eingeführt und ist seither fester Bestandteil der europäischen Flora. Wie zwei weitere verwandte Arten auch, stammt sie ursprünglich aus Nordamerika.

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Auch wenn Neophyten genau genommen nicht zur einheimischen Flora zählen, nutzen heimische Insekten diese für ihr Überleben. Von der Riesen-Goldrute (Solidago gigantea) profitieren viele Insekten wie hier im Bild Honigbienen.

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Neben der Riesen-Goldrute findet sich im Wuhletal auch die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), die ebenfalls Mitte des 19. Jhd. als Zierpflanze eingeführt worden ist.

 

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One comment

  • Ilka Christof

    Neophyten und Insekten
    Goldruten verdrängen Blütenbesucher

    (umg.info 2009_05) Die nordamerikanischen Goldruten zählen zu den aggressivsten Neophyten in Europa und wurden dadurch zu Pro­blem­pflanzen im Naturschutz. Einst wurden Goldruten in Mitteleuropa sogar als Bienenpflanzen gezielt angesät. Untersuchungen in Polen haben nun aber gezeigt, dass die Ausbreitung der Späten und Kanadischen Goldrute (Solidago gigantea, S. canadensis) negative Konsequenzen für viele Blüten besuchende Insekten hat.
    Die aus Nordamerika stammenden Goldruten zählen zu den er­folg­reichsten Neubürgern im Pflanzenreich und haben sich seit den 1950er Jahren über ganz Europa ausgebreitet. In vielen Feucht­wiesen ver­drängen sie die ursprüngliche Vegetation und verändern die Wechsel­beziehungen zwischen Pflanzen und Blüten besuchenden Insekten. Polnische Forscher verglichen Streuwiesen mit und ohne Gold­ruten­vorkommen: In Streuwiesen mit Goldruten sind Arten­viel­falt und Häuf­ig­keit von Wildbienen, Schwebfliegen und Schmet­ter­lingen signifikant geringer. Betroffen davon sind nicht nur spez­iali­sierte Arten, sondern auch Nahrungsopportunisten. Das ist umso erstaunlicher, als Goldruten während der Blütezeit große Mengen an Nektar (bis zu 385 kg/ha) und Pollen (90 kg/ha) produzieren. Mög­licher­weise hängt dieser Effekt mit der verhältnismäßig späten Blütezeit der artenarmen Goldruten­be­stände zusammen. Insbesondere bei Schmetterlingen sind zudem die Larven in vielen Fällen spezialisierter als die erwachsenen Tiere und ausschließlich auf bestimmte Futterpflanzen angewiesen. Selbst wenn Goldruten adulten Insekten Nahrung im Überfluss bieten, ist keine Re­produktion möglich, wenn die Raupenpflanzen verdrängt wurden. Die Ein­wand­erung der Goldrute verändert zudem die Vegetationsstruktur und führt dadurch möglicherweise zum Verschwinden wichtiger Struk­turen für im Boden nistende Wildbienenarten.

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